Leberkrebs durch virale Hepatitis: In der Schweiz ist jeder Fall ein vermeidbarer Fall

Chronische Hepatitis-B- und Hepatitis-C-Infektionen zählen weltweit zu den häufigsten Ursachen für Leberzirrhose, Leberkrebs (hepatozelluläres Karzinom, HCC) und leberbedingte Todesfälle. Diese Folgeerkrankungen liessen sich weitgehend vermeiden: Hepatitis B durch konsequente Impfung sowie durch systematisches Testen und Behandeln von Risikogruppen, Hepatitis C durch Heilung mittels direkt antiviraler Therapien (DAA), wodurch das damit verbundene Leberkrebsrisiko eliminiert wird. Die Werkzeuge dafür sind seit Jahren verfügbar – auch in der Schweiz.

Die unsichtbare Bedrohung: Warum Hepatitis B und C so gefährlich sind Chronische Infektionen mit den Viren Hepatitis B oder C können über die Jahre hinweg zu schweren Leberschäden führen, bis hin zu Leberkrebs (hepatozelluläres Karzinom, HCC). Das Besondere daran: Diese schweren Folgeerkrankungen liessen sich fast vollständig verhindern. Dank Impfungen sowie des gezielten Testens und Behandelns von Risikogruppen könnte Hepatitis B gestoppt werden. Und Hepatitis C ist durch die moderne direkt antiviralen Therapien (DAA) sogar heilbar – damit entfällt auch das Risiko für Leberkrebs. Die Mittel dazu sind in der Schweiz verfügbar, zugänglich und werden von den Krankenkassen finanziert. Doch die Realität sieht anders aus.

Schweiz: Versorgungslücken trotz guter Voraussetzungen Eine Studie aus dem Jahr 2023 zeigt: Die Schweiz verfehlt die Ziele der WHO, die virale Hepatitis zu eliminieren, deutlich. Von geschätzten 62.700 Menschen mit chronischer Hepatitis B (Stand 2020) wusste weniger als ein Viertel Bescheid über ihre Infektion. Noch besorgniserregender: Nur ein Bruchteil der Behandlungsberechtigten erhielt tatsächlich eine Therapie. Die Prognose ist alarmierend: Bleibt alles wie bisher, könnten die Fälle von Leberkrebs und leberbedingten Todesfällen durch Hepatitis B bis 2030 um rund 20 % steigen – obwohl eine konsequente Diagnose- und Behandlungsoffensive dies verhindern könnte. Auch bei Hepatitis C sinken die Fallzahlen zwar, aber zu langsam. Das deutet darauf hin, dass noch immer zu viele Betroffene unentdeckt oder unbehandelt bleiben.

``Kein Schicksal, sondern ein Versagen des Systems“ Prof. Dr. med. Philip Bruggmann, Präsident von Hepatitis Schweiz, macht es deutlich: „In der Schweiz sind Impfstoffe, Tests und Medikamente gegen virale Hepatitis für alle zugänglich. Wenn trotzdem Menschen an hepatitisbedingtem Leberkrebs erkranken oder sterben, ist das kein Schicksal – sondern ein Versagen des Systems.“**

Jeder verpasste Impfstoff, jeder nicht durchgeführte Test, jede nicht begonnene Therapie sind eine verpasste Chance.

Wissen als Schlüssel zur Veränderung Ein zentrales Problem bleibt: Zu wenig Aufklärung. Viele Menschen wissen nicht, dass sie einem erhöhten Risiko ausgesetzt sind – und lassen sich daher nicht testen. Selbst in Fachkreisen wird virale Hepatitis oft übersehen. Schlüsselgruppen wie Menschen mit Migrationshintergrund oder mit Substanzkonsum erhalten zu selten Informationen zu Testund Behandlungsmöglichkeiten. Dabei ist klar: Aufklärung auf allen Ebenen, in der Bevölkerung, bei Fachleuten und in Risikogruppen, ist der Schlüssel, um diese Versorgungslücken zu schliessen. NAPS: Die Strategie existiert – jetzt muss sie leben Seit 2024 gibt es in der Schweiz das Nationale Programm (NAPS) zur Bekämpfung von HIV, Hepatitis B, Hepatitis C und anderen sexuell übertragbaren Infektionen. Es setzt auf zielgruppenspezifische Massnahmen und einen chancengerechten Zugang zu Tests und Therapien.

Doch ein Programm auf dem Papier reicht nicht aus. Es braucht Aufmerksamkeit – bei den zuständigen Behörden, in Fachkreisen und bei den Betroffenen – und vor allem die notwendigen Mittel, damit Testangebote bekannt, genutzt und finanziert werden können. Denn: eine gute Versorgung bei viraler Hepatitis ist die effektivste Prävention gegen Leberkrebs.

Was Sie tun können Informieren Sie sich – und andere unter www.hepatitis-schweiz.ch Lassen Sie sich testen, wenn Sie zu einer Risikogruppe gehören. Nutzen Sie die Impfung – Hepatitis B ist vermeidbar! Unterstützen Sie die Arbeit von Hepatitis Schweiz – für eine Schweiz ohne virale Hepatitis bis 2030