Swiss Hepatitis Symposium 2021

29 November 2021, 13:30 bis 18:00 Universität Zürich Raum RAA-G01 (kleine Aula), Rämistrasse 59, 8001 Zurich

Moderation: Catherine Boss, Reporter Research Desk Tamedia

Hepatitis im Gefängnis
Micro-Elimination von Hepatitis C in Gefängnissen ist möglich. Dies hat einen positiven Effekt auf die Community und ist kosten-effizient. Das zeigte der Hepatologe Joaquin Cabezas, der aus Santander/Spanien angereist war. Mit multidisziplinären Teams, der Unterstützung von Telemedizin und ganzheitlich auf die Gesundheitsbedürfnisse von Häftlingen ausgerichteten Test- und Behandlungsstrategien konnten sie eindrückliche Resultate erzielen. Die Prävalenz von Hepatitis C kann so reduziert und die weitere Verbreitung auch ausserhalb von Gefängnissen gestoppt werden.

Claude Scheidegger von Hepatitis Schweiz stellte eine neue Screening- und Behandlungs-Initiative in Haftanstalten in der Schweiz vor. Das Gefängnisprojekt Swiss HepFree in Prisons Programme (SHiPP) bietet Unterstützung bei Test- und Behandlungsprogrammen von viraler Hepatitis und anderen Infektionskrankheiten in Gefängnissen. Wie Scheidegger betont, ist die Gefängnislandschaft in der kleinen Schweiz sehr divers, mit etwa 100 Haftanstalten von zehn bis zu mehreren hundert Plätzen. Ziel von SHiPP ist es, zehn Best-Practice-Fälle in Gefängnissen zu sammeln.
Ein erstes Gefängnis hat eine solche Initiative im Rahmen von SHiPP gestartet. Gefängnisärztin Christa Geissmann aus Glarus stellte ihre Erfahrung vor. Sie betont, dass die Prozesse einfach und der Support durch Hepatitis Schweiz gut sei. Es gelte jedoch, relativ rasch durch die Abklärungen zu gehen, wenn ein Test positiv ausfalle, da sonst viel Zeit verstreichen könne. So solle bei der Laborbestimmung gleich die Option RNA-Test ausgefüllt werden, damit im Falle eines positiven Antikörpertests gleich automatisch die RNA bestimmt werde. Auch die Anmeldung für einen Fibroscan für die Abklärung eines allfälligen Leberschadens kann frühzeitig vorgenommen werden. Ein erster Hepatitis-C-Patient konnte schon erfolgreich durch den Hausarzt behandelt werden.

Spät Diagnostizierte
Die zweite Hälfte des Nachmittags war ganz dem Thema «Late Presenters with viral hepatitis» gewidmet. Dafür konnte der Infektiologe Jürgen Rockstroh der Universitätsklinik Bonn gewonnen werden, welcher Mitautor einer ersten Konsensusdefinition zu Late Presentation ist. Rockstroh betonte, dass im HIV-Bereich schon über ein Jahrzehnt eine Definition von Late Presenters, also Personen, die erst in einem späten Stadium der Erkrankung diagnostiziert werden, genutzt wird. Dies hilft abzuschätzen, wie viele Personen nicht diagnostiziert werden und welche Personengruppen schwer erreicht werden. In Deutschland zeigt eine Auswertung der Hepatitis-C-Kohorte, dass rund ein Viertel der Hepatitis-C-Patienten erst in einem späten Stadium diagnostiziert werden. Jürgen Rockstroh zeigte Daten von verschiedenen Studien in europäischen Ländern, dass jeweils zwischen einem Viertel und einem Drittel der Patienten spät diagnostiziert wird.

Für die Schweiz fehlen solche Daten. Axel J. Schmidt vom Bundesamt für Gesundheit zeigte anhand des obligatorischen Meldewesens, wie sich die Lage bezüglich der Neudiagnosen von akuter und chronischer Hepatitis B und C präsentiert. Über die Jahre ist ein konstanter Rückgang der Meldungen von Hepatitis B und C zu sehen. Jedoch gibt es Lücken im Meldewesen und die zeitliche Nachverfolgung ist nicht möglich.

Prof. Beat Müllhaupt und Dr. med. Montserrat Fraga vom Universitätsspital Zürich resp. vom Universitätsspital Lausanne präsentierten insgesamt sechs Fälle von Late Presenters, davon ein Fall einer Koinfektion Hepatitis B und D. Zwei der Patienten sind in der Zwischenzeit gestorben, eine geheilt, eine unbehandelt und zwei warten auf eine Lebertransplantation.

In der abschliessenden Diskussionsrunde waren sich die Panelisten einigt, dass Late presentation heute verhindert werden kann und muss. Und dass Zahlen zu Late Presenting regelmässig erhoben werden sollten zur Erhebung der Versorgungssituation und Anpassung von Massnahmen zur Bekämpfung dieser Versorgungslücken.

Die Präsentationen können unten heruntergeladen werden und auf unserem Youtube-Kanal nachgeschaut werden.

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