Swiss Hepatitis Symposium 2019

Das Ende der viralen Hepatitis?

Schlagfertig, charmant und mit viel Zug führte Moderator Fabian Unteregger, seines Zeichens selber Arzt sowie Comedian, durch den Nachmittag. Das gut besuchte Symposium - gegen 100 Personen fanden den Weg in die Welle7 in Bern - startete mit zwei Präsentationen zu Interventionen bei Männern, die Sex mit Männern haben.

Mikro-Elimination bei Männern, die Sex mit Männern haben, und im Gefängnis

Benjamin Hampel vom Checkpoint Zürich zeigte die eindrücklichen Resultate des HCVree Trials, der eine signifikante Reduktion von HCV bei HIV-positiven MSM herbeiführte. Mit der Präexpositionsprophylaxe Prep, die Männer, die Sex mit Männern haben schon länger einnehmen und danach – geschützt vor einer HIV-Infektion – Sex ohne Kondom haben, steigt jedoch das Risiko einer HCV-Infektion bei HIV-negativen MSM. Prep-User werden daher alle 6 Monate auf HCV getestet, bislang ohne Nachweis von steigenden HCV Ansteckungen. Er sprach auch das Stigma an, das HCV-positive Männer in der MSM-Community heute stärker betrifft als HIV-Positive.

Patrizia Künzler zeigte die Resultate einer Verhaltensintervention. Studienteilnehmer wurden in Gesprächen über ihr Verhalten auf Risiken sensibilisiert. Die Intervention zeigte Wirkung, jedoch auf unterschiedliche Art. Während eine Gruppe Kondomgebrauch forcierte und Drogen sicherer nahm, minimierten andere Übertragungsrisiken, indem sie die Anzahl Sexevents oder Social-Media-Dates reduzierten, ohne aber häufiger Kondome zu nutzen.

Nathalie Vernaz und Laurent Gétaz vom Universitätsspital Genf sprachen über das Gefängnissetting. Viele Gefangene haben keine Krankenversicherung und somit keinen Zugang zu den teuren Hepatitis-C-Medikamenten. Ein Import von günstigen Generika über einen Buyers’ Club bietet in Genf eine pragmatische Lösung. Die HCV-Prävalenz in Gefängnissen ist stark erhöht, da ein hoher Anteil der Gefangenen aus Ländern kommt, in denen Hepatitis-Viren verbreiteter sind. Zudem ist Drogenkonsum und Tätowierung häufig. In den Genfer Gefängnissen wird ein Test-und-Behandlungsansatz für HBV, HCV und Syphilis mit einem Opt-Out-Verfahren verfolgt. Die wichtigsten Hürden sind, dass Patienten aus Angst vor Stigma Bluttests verweigern, dass die Kontinuität der Behandlung zum Beispiel bei Entlassung nicht gewährleistet ist und der Zugang zur und die Kosten der Behandlung.

Science goes Politics

Corina Wirth von Public Health Schweiz und Bettina Maeschli von Hepatitis Schweiz erzählten im Interview mit Moderator Fabian Unteregger, warum die Zusammenarbeit der beiden Organisationen Wirkung zeigt. Wissenschaftliche Evidenz und Zahlen sind wichtig; doch nur wenn diese aufbereitet und in gut verständlicher Form kommuniziert werden, kann auf der gesundheitspolitischen Ebene Wirkung erzielt werden.

Das sah auch Alt-Ständerat und Professor für Public Health Felix Gutzwiller so und lobte die exzellente politische Arbeit der Schweizer Hepatitis-Strategie. Die Integration von Hepatitis in das nächste HIV-Programm sei ein Meilenstein. Doch auch wenn der Bundesrat dazu ja gesagt habe, dürfe man sich jetzt nicht auf den Lorbeeren ausruhen, sondern müsse dafür sorgen, dass dies im Konkreten korrekt umgesetzt werde.

Mit Mikro-Elimination beginnen, mit Gesamtelimination enden

Der Internationale Gast Jeffrey Lazarus zeigte eindrückliche Projekte in Dänemark und Barcelona, insbesondere aufsuchende Arbeit bei Drogenabhängigen. Zentral ist, die Services bei dieser Gruppe direkt zu den Menschen zu bringen, also Tests, Untersuche und dann auch die Behandlung. Der Weg zur Apotheke, mehrere Male ins Spital für Untersuche, ist nicht realistisch. Er zeigte die Kriterien, die eine Gruppe aufweisen sollte, um Mikro-Elimination erfolgreich voranzutreiben. Insbesondere eine klare Definition der Gruppe, klare Ziele und Indikatoren und ein Monitoring sind zentral. Mikro-Elimination ist für ihn ein Weg, um relativ schnell Erfolge zu zeitigen. Doch für eine Gesamtelimination braucht es auch eine Gesamtstrategie.

Ursula Zybach zeigte zum Schluss, dass virale Hepatitis und die Belastung durch diese Infektionskrankheiten public-health-relevant sind und bekräftigte die Unterstützung von Public Health Schweiz auf diesem Gebiet.

Gemeinsam HIV und Hepatitis eliminieren

Beim abschliessenden Podium drehte sich viel um die Frage, wo die Schweiz heute steht und was zu tun ist. Auch wenn man sich über den Weg nicht nur einig war, war allen klar: Der Dialog und die Zusammenarbeit muss und wird weitergehen. Mikroelimination von Hepatitis B und C in klar definierten Populationen oder Settings ist ein effizienter Weg, um die Zeit zu nutzen, bis das gemeinsame nationale HIV- und Hepatitis-Programm zum Tragen kommt.